slide2 slide1
Drucken

Mut zu einem neuen Lebensabschnitt

Ab 40 Jahren wagen viele im Beruf etwas Neues. Über 1000 Existenzgründer im Landkreis

100 Prozent mehr Umsatz: Holger Goldenstein (Mitte) hat vor einem Jahr die Funk GmbH in Krumbach nach der Insolvenz übernommen. Unterstützung erhielt er von Barbara Klause und Oliver Stipar von der IHK.

Krumbach/Landkreis Immer mehr Frauen, die sich trauen: Sie machen mittlerweile rund 40 Prozent der Existenzgründer in Schwaben aus, wie aus einer Umfrage der IHK Schwaben hervorgeht. Meistens sind sie 44 bis 46 Jahre alt. Bei den Männern ist es die Altersgruppe 38 bis 40 Jahre – der Lebensabschnitt ist offenbar ein guter Zeitpunkt, um noch einmal etwas Neues anzufangen. Holger Goldenstein war 46: Das Nordlicht hatte vor einem Jahr die Funk GmbH in Krumbach übernommen, die insolvent war.

„Ich hatte schon immer den Traum, mich selbstständig zu machen“, sagt der 47-jährige Familienvater, der Bäcker lernte, Betriebswirtschaftslehre studierte und dann viel Erfahrung im kaufmännischen Bereich sammelte. Schließlich wagte er den Sprung in die Selbstständigkeit – eher zufällig erfuhr er über das Internet von der finanziellen Schieflage der Funk GmbH in Krumbach. Vor der Übernahme ließ sich Goldenstein von der IHK beraten, die sein Gründungsvorhaben begrüßte.

Die „HG Metalltechnik Krumbach GmbH“ wuchs, die Mitarbeiterzahl verdreifachte sich auf rund 50. Mit einem Umsatz von rund fünf Millionen Euro rechnet Goldenstein in diesem Jahr. Seine Vision: Das Unternehmen, das im Schichtbetrieb rund um die Uhr mit Laserschneidmaschinen arbeitet, noch weiter vergrößern. Goldenstein denkt an 100 qualifizierte Mitarbeiter. Doch die zu finden, sei derzeit nicht leicht. Auch der Wohnungsmarkt in Krumbach sei ein Problem – potenzielle neue Mitarbeiter finden in kurzer Zeit kaum eine geeignete Wohnung. „Ein Problem, das es derzeit in ganz Schwaben gibt“, sagt Barbara Klause vom IHK-Kompetenzzentrum Gründung, Finanzierung und Sanierung in Memmingen. Sie stellte zusammen mit IHK-Regionalgeschäftsführer Oliver Stipar in Krumbach die Ergebnisse der Gründerumfrage vor. Die Essenz: Viele Unternehmensgründer nutzen die gute Konjunktur, was sich positiv auf den Arbeitsmarkt auswirkt. Schwaben steht in ganz Bayern sogar an der Spitze. Branchenschwerpunkt der zwischen 2009 und 2011 gegründeten Unternehmen liegt auf Dienstleistungen. Erfolgsfaktor ist die eigene Persönlichkeit noch vor der Geschäftsidee. Als größte Schwierigkeit gaben die Existenzgründer die Kundengewinnung an – noch vor Zeitmanagement und Finanzierung. Das letzte Thema kostete Goldenstein viel Nerven. „Leider sind nur wenige Banken unternehmerfreundlich.“ (mcz)

Der Artikel im Original